Absinthverbot

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Absinth ist eine Spirituose, die auf Wermutsauszügen basiert. Das im Wermut enthaltene Neurotoxin „Thujon“ hat für viel Aufsehen rund um den Absinthkonsum gesorgt. Der Begriff „Absinth“ kommt von der lateinischen Bezeichnung von Wermut, "Artemisia absinthium".

Allgemeines zum Absinthverbot

Absinth war bis in die späten siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts ein Luxusgetränk. Als allerdings die Reblaus aus den USA nach Europa kam, wurden durch sie so viele Weinernten zerstört, dass die Konsumenten immer mehr den Genuss von Absinth vorzogen. So wurde in den Absinthdistillerien nicht mehr Branntwein, sondern aus Zuckerrohr erzeugter Alkohol verwendet, wodurch der Absinth billiger in Herstellung und im Verkauf und für jedermann erschwinglich wurde. Der Absinthkonsum stieg bis zu Beginn des 1. Weltkrieges um das fünfzigfache an.

Um 1900 wurde der Widerstand in Europa gegen Absinth allerdings immer größer. Es war nur eine Frage der Zeit bis zum Absinthverbot, da der sogenannte "Absinthismus" die Bevölkerung immer mehr erschreckte. Aus unterschiedlichen Richtungen bemühte man sich sehr, Absinth verbieten zu lassen. Ärzte und Wissenschaftler wollten nachweisen, dass Absinth für Epilepsie, Impotenz, Tuberkulose, Kriminalität, Wahnsinn und noch mehr verantwortlich sei. Die Linke war der Meinung, dass ein absinthtrinkender Arbeiter ein schlechter Vater und Arbeiter sei und die gesamte Arbeiterschaft verraten würde. Und sogar die Antialkoholbewegung verbündete sich mit Weinbauern, um Wein als den heilbringenden Ersatz für Absinth anzupreisen. Jedoch konnten die Absinthgegner im Parlament keine Mehrheit erlangen, da der Absinthhandel große Steuereinnahmen versprach.


Absinthverbot in der Schweiz

Auslöser für das Absinthverbot in der Schweiz war der Mord von Jean Lanfray. Im August 1905 brachte er seine Familie um. Jean Lanfray war Alkoholiker und hatte auch an diesem Tag diverse alkoholische Getränke konsumiert. Es wurde nachgewiesen, dass darunter auch zwei Gläser Absinth gewesen sind und er unter den typischen Anzeichen des „Absinthismus“ gelitten hätte. Nachdem er seine Frau und seine beiden Töchter erschossen hatte, versuchte er sich selbst umzubringen.

1906/1907 wurde eine Volksinitiative mit 167.814 Unterschriften gegen Absinth eingereicht. Am 5. Juli 1908 haben 63,5% der männlichen Schweizer Bürger gegen Absinth gestimmt und am 7. Oktober 1910 trat das Verbot in Kraft. Allerdings wurde lediglich Lagerung, Produktion, Transport und Verkauf verboten, aber nicht der Konsum von Absinth.

1984 starteten die ersten politischen Versuche, Absinth in der Schweiz wieder zu legalisieren, jedoch erfolglos. Nach dem Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung am 1. Januar 2000 war das Absinthverbot zwar nicht mehr gültig, aber in Wirklichkeit gab es keine Veränderungen, da das Verbot von Fabrikation, Einfuhr, Transport und Verkauf im Lebensmittelgesetz verankert war. Seit dem 1. März 2005 ist Absinth in der Schweiz vollständig legalisiert und gilt als Spirituose wie jede andere.

Die heimliche Absinthherstellung hat allerdings nie aufgehört. Vor allem in der französischen Schweiz besteht bis heute eine rege Schwarzbrennertradition. Speziell der „La Bleue“, ein klarer Absinth aus dem Val de Travers in Neuchâtel in der Schweiz, der Heimat des Absinths, ist sehr beliebt und bekannt.


Absinthverbot und Einschränkungen in anderen Ländern

1905 trat das Absinthverbot in Belgien in Kraft, 1908 in Holland, 1912 in den USA und 1913 in Italien und Brasilien. 1914 wurde dieses alkoholische Getränk auch in Frankreich verboten, obwohl hier einige Jahrzehnte zuvor der Absinth erst durch das französische Militär Popularität erlangte. Allerdings keimte die Befürchtung auf, Absinth würde die französische Wehrkraft zersetzen. Erst am 27. April 1923 trat das Verbot in Deutschland ein, vermutlich, da Absinth hier bislang keine große Bedeutung gehabt hatte. Im selben Jahr trat das Verbot auch in Österreich in Kraft, 1930 dann auch in der (ehem.) Tschechoslowakei.

1981 wird das Absinthverbot in Deutschland aufgehoben, jedoch bleibt der Absinth durch die Aromaverordnung verboten. 1998 wird die Aromaverordnung dann neuverfasst und Absinth legal. Am 29.10.1991 erfolgt eine Zulassung eines reglementierten Thujongehalts in Lebensmitteln in der EU (Richtlinie 88/388/EWG vom 22. Juni 1988) und 1998 wird die Absinthherstellung und Einfuhr in der / die EU wieder zugelassen (Anpassung der Aromaverordnung bis max. 35mg/kg Thujongehalt).

In einigen Ländern Europas herrschte nie ein Absinthverbot und zwar in Spanien, Portugal, Dänemark und England (hier wurde der Thujongehalt allerdings auf 10mg/kg beschränkt). In den USA ist Absinth heute noch verboten und in Japan sind immer noch nur max. 10mg/kg Thujongehalt erlaubt. In Frankreich darf das Wort „Absinth“ nicht auf der Flasche stehen und lediglich 5 mg/kg Fenchel und 20mg/kg Ysop dürfen enthalten sein.


interessante Links zu dem Absinthverbot im Gesetz


Weblinks