Fritz Sack: Unterschied zwischen den Versionen

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Fritz Sack war in den Jahren 1998 und 1999 Mitglied der Hamburger Polizeikommission, die nach dem Hamburger Polizeiskandal Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung für den praktischen Umgang mit möglichen polizeilichen Fehlverhalten verknüpfen sollte.
Fritz Sack war in den Jahren 1998 und 1999 Mitglied der Hamburger Polizeikommission, die nach dem Hamburger Polizeiskandal Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung für den praktischen Umgang mit möglichem polizeilichen Fehlverhalten verknüpfen sollte.


Sack ist Mitglied im Kuratorium der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität und im Beirat der Humanistischen Union, nachdem er dort 1997 bis 2003 Mitglied des Bundesvorstands gewesen war.
Sack ist Mitglied im Kuratorium der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität und im Beirat der Humanistischen Union, nachdem er dort 1997 bis 2003 Mitglied des Bundesvorstands gewesen war.
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Die Arbeit von Fritz Sack ist geprägt davon, die herrschende Meinung in Frage zu stellen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wo die Meinung eine Position der Herrschenden einnimmt und zu Repression und Ausgrenzung führt, bleibt Fritz Sack ein akribischer Arbeiter, der keine Scheu kennt gegen die Mehrheit zu argumentieren, wobei er durchaus politisch motiviert agiert. Er zeichnet sich durch eine "kritische Distanz und intellektuelle Unzufriedenheit mit dem Status Quo" (Kreissl 2001: 3) aus. Unermüdlich weist Sack in den Jahren seines Schaffens die „Medikalisierung der Abweichung“ als alternatives Subsystem zum Strafrecht innerhalb der Sozialkontrolle nach (Sack 1972a). Sack formuliert, dass der Täter als solcher „das Endprodukt eines komplexen sozialen Geschehens“ ist, „um dessen Analyse der Kriminologe zu allererst bemüht sein muss“ (Sack 1972a). Diese Ansicht und Herangehensweise zieht sich wie ein roter Faden durch alle Werke und kennzeichnet bereits 1969 den „Kernpunkt der Kritik an der bisherigen Kriminologie“. Aufbauend auf „Überwachen und Strafen“ <ref>Überwachen und Strafen Frankfurt am Main 1977. (fr. Ausgabe Surveiller et punir– la naissance de la prison, Paris 1975)</ref> von [[Michel Foucault]] postulierte Sack einen radikalen Paradigmenwechsel in der Kriminologie. Dabei scheute sich Sack auch nicht, gelegentlich Wegbegleitern vor den Kopf zu stoßen und auf Konfrontationskurs zur „korrumpierende Nähe der Kriminologie zum Strafrecht“ (Sack 1978: 385) zu gehen.  
Die Arbeit von Fritz Sack ist geprägt davon, die herrschende Meinung in Frage zu stellen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wo die Meinung eine Position der Herrschenden einnimmt und zu Repression und Ausgrenzung führt, bleibt Fritz Sack ein akribischer Arbeiter, der keine Scheu kennt gegen die Mehrheit zu argumentieren, wobei er durchaus politisch motiviert agiert. Er zeichnet sich durch eine "kritische Distanz und intellektuelle Unzufriedenheit mit dem Status Quo" (Kreissl 2001: 3) aus. Unermüdlich weist Sack in den Jahren seines Schaffens die „Medikalisierung der Abweichung“ als alternatives Subsystem zum Strafrecht innerhalb der Sozialkontrolle nach (Sack 1972a). Sack formuliert, dass der Täter als solcher „das Endprodukt eines komplexen sozialen Geschehens“ ist, „um dessen Analyse der Kriminologe zu allererst bemüht sein muss“ (Sack 1972a). Diese Ansicht und Herangehensweise zieht sich wie ein roter Faden durch alle Werke und kennzeichnet bereits 1969 den „Kernpunkt der Kritik an der bisherigen Kriminologie“. Aufbauend auf „Überwachen und Strafen“ <ref>Überwachen und Strafen Frankfurt am Main 1977. (fr. Ausgabe Surveiller et punir– la naissance de la prison, Paris 1975)</ref> von [[Michel Foucault]] postulierte Sack einen radikalen Paradigmenwechsel in der Kriminologie. Dabei scheute sich Sack auch nicht, gelegentlich Wegbegleitern vor den Kopf zu stoßen und auf Konfrontationskurs zur „korrumpierende[n] Nähe der Kriminologie zum Strafrecht“ (Sack 1978: 385) zu gehen.  


Leitmotiv seines Denkens und intellektuellen Handelns ist dabei ein „tiefsitzendes Misstrauen gegen kanonisierte und konsentierte Positionen“ (Kaiser 1996: 183) und wird dadurch zur Inspiration für einen kleinen Kreis von Kriminologen. Während sich Anfang der 1980er Jahre abzeichnet, dass die wissenschaftliche Erkenntnisse sich von der tatsächlichen Kriminalpolitik trennen, erkennt Fritz Sack bereits früh die Morgendämmerung der [[Punitivität]].
Leitmotiv seines Denkens und intellektuellen Handelns ist dabei ein „tiefsitzendes Misstrauen gegen kanonisierte und konsentierte Positionen“ (Kaiser 1996: 183. Er wurde dadurch zur Inspiration für einen kleinen Kreis von Kriminologen. Während sich Anfang der 1980er Jahre abzeichnet, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse sich von der tatsächlichen Kriminalpolitik trennen, erkennt Fritz Sack bereits früh die Morgendämmerung der [[Punitivität]].


Sack scheut dabei auch weiterhin keineswegs den Umgang mit Themen, die emotional aufgeladen sind, wie zum Beispiel durch seine Tätigkeit als Mitglied im Kuratorium der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität. Dieser Verein setzt sich dafür ein, dass der Gedanke der sexuellen Selbstbestimmung auch auf Bereiche angewendet werden sollte, die von weiten Teilen der Gesellschaft tabuisiert oder kriminalisiert werden.
Sack scheut dabei auch weiterhin keineswegs den Umgang mit Themen, die emotional aufgeladen sind, wie zum Beispiel durch seine Tätigkeit als Mitglied im Kuratorium der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität. Dieser Verein setzt sich dafür ein, dass der Gedanke der sexuellen Selbstbestimmung auch auf Bereiche angewendet werden sollte, die von weiten Teilen der Gesellschaft tabuisiert oder kriminalisiert werden.
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== '''Privat''' ==
== '''Privat''' ==


Fritz Sack ist verheiratet (1960) und Vater von drei Kindern (1964, 1967 und 1969 geboren). Er ist begeisterter Tischtennisspieler und lebt in Hamburg.
Fritz Sack ist seit 1960 verheiratet und Vater von drei Kindern (1964, 1967 und 1969 geboren). Er ist begeisterter Tischtennisspieler und lebt in Hamburg.


== '''Zitate über Fritz Sack'''==
== '''Zitate über Fritz Sack'''==
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