Assassine

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Assassine ist die Bezeichnung für ein Mitglied der ismailitischen Assassinen, die im syrisch-persischen Raum von ca. 1080-1270 vor allem wegen ihrer Selbstmordattentate gefuerchtet waren. Durch Kreuzfahrer und Marco Polo drangen Berichte ueber die Besonderheiten dieser Religionsgemeinschaft, die angeblich Haschisch konsumierte, orgiastische Feste feierte und jedenfalls erwiesenermassen Dolch- und Giftmorde an hochgestellten Persönlichkeiten verübte, auch nach Europa.


Begriff

Der Name Assassinen geht angeblich auf den Gebrauch von Haschisch durch die Sekte zurück ("Assassinen" entspricht in etwa dem umgangssprachlichen Plural des arabischen Wortes fuer Kräuter, Gräser, Hanf/Cannabis sativa: ḥašīšiyyīn). Die Bezeichnung als Haschischraucher war abwertend und stand wohl gelegentlich auch ganz allgemein für „Entrückte“. Ursprünglich wurden nur die in Syrien ansässigen Angehörigen der Sekte und erst später alle Angehörigen der Religionsgemeinschaft so genannt.

Marco Polo berichtet über Hasan-i Sabbah, dass er junge Männer mit Opium betäubte und dann in eine an die Burg Alamut angeschlossene Gartenanlage brachte. Dort, bei guter Bewirtung und Betreuung durch Frauen, erging es ihnen wie im vom Propheten Mohammed versprochenen Paradies. Schließlich wurden sie wiederum betäubt und zum Burgherrn Sabbah gebracht, der sie zu Fida'i ausbilden ließ. Nur durch ihren heldenhaften Tod, so die Erzählung, sollten sie zurück ins Paradies kommen.

Persönlichkeiten

Im 11. Jahrhundert: der ismailitische Prediger Hassan-e Sabbah. "Selbst Gegner beschrieben ihn als klug und bescheiden. Doch Hassan-e Sabbah war nicht nur ein scharfsinniger Denker, sondern auch ein Mann der Tat. Seine Strategie, von Burgen in schwer zugänglichen Bergregionen aus zu operieren, machte seine Gemeinschaft der Assassinen fast unverwundbar. Als Hauptquartier brachte er 1090 die Festung Alamut in seinen Besitz - und verließ sie bis zu seinem Tod im Jahr 1124 nicht mehr.- Von Alamut sandte Hassan Missionare und Agenten aus, weitere Anhänger und Burgen zu gewinnen. Oft konnten seine Männer auf die Unterstützung der Bevölkerung zählen. "Für die kriegerischen und rebellischen Bergbewohner war sein militantes Credo überaus attraktiv", erklärt Bernard Lewis. Bald verfügte die Gemeinschaft über Dutzende Festungen in Persien und auch im syrisch-libanesischen Bergland.- Im Oktober 1092 verübten die Assassinen den ersten jener Morde, für die sie weit über die Grenzen ihres Landes hinaus berühmt und gefürchtet werden sollten. Als Sufi verkleidet, näherte sich ein Mann der Sänfte Nisam al-Mulks und erstach den mächtigen Wesir auf dem Weg zum Zelt seiner Frauen. Der von Hassan-e Sabbah entsandte Killer wurde noch während der Tat selbst getötet."

Attentate

  • 14. Oktober 1092: Nizam al-Mulk, Wesir der Großseldschuken
  • 1121: Malik al-Afdal, Wesir der Fatimiden, wurde im Auftrag des Kalifen al-Amir von Assassinen getötet
  • 7. Oktober 1130: al-Amir, Kalif der Fatimiden
  • 28. April 1192: Konrad von Montferrat, König von Jerusalem

Vorgehensweise

Die Assassinen setzten als hauptsächliches Kampfmittel den politischen Mord an Herrschern ein. Tatwaffe war der Dolch. Die Attentäter sahen sich als Märtyrer und nahmen den eigenen Tod in Kauf. Für ihre Zeitgenossen war es unverständlich, dass sie nach dem Mord keinen Fluchtversuch unternahmen und sich der Rache von Anhängern des Ermordeten aussetzten.

Die Assassinen handelten gemäß einer starken ideologischen Überzeugung. Sie wollten den Gottesstaat wiederherstellen, also die islamische Grundordnung, wie sie der Prophet Mohammed hinterlassen hatte. Die derzeitige Ordnung war ihrer Ansicht nach von Tyrannen usurpiert worden. Ihre Hauptgegner waren das sunnitische Kalifat von Bagdad und die autokratischen seldschukischen Herrscher im 12. und 13. Jahrhundert.

Die meisten Opfer der Assassinen waren sunnitische Muslime, darunter prominente Persönlichkeiten wie Nizam al-Mulk. Auch Saladin war das Ziel mehrerer erfolgloser Anschläge. Christen blieben bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts weitgehend verschont, bis auf Konrad von Montferrat, König von Jerusalem, der möglicherweise auf Veranlassung von Richard Löwenherz ermordet wurde.

Das Englische und verschiedene romanische Sprachen haben das Verb für den Meuchelmord aus dem Vorgehen der Assassinen abgeleitet: englisch „to assassinate“, italienisch „assassinare“, französisch „assassiner“, spanisch „asesinar“, portugiesisch „assassinar“, katalanisch „assessinar".

Hintergrund

Nach dem Tod des Propheten Mohammed 632 wurde sein Nachfolger bestimmt, der den Titel Kalif (Chalifa = Nachfolger) erhielt. Der erste Kalif wurde Abu Bakr. Ein Teil der Gläubigen hielt allerdings den Schwiegersohn Mohammeds, Ali, für seinen rechtmäßigen Nachfolger. Aus dieser Gruppe, der Partei Alis (Schiatu Ali), entstanden die Schiiten.

Die in viele verschiedene Sekten zersplitterten Schiiten kämpften für einen idealen Staat, gekennzeichnet durch die Einheit von (richtiger) Religion und Politik. In den Kämpfen um die Herrschaft in den folgenden Jahrhunderten bestimmten zwei zentrale Figuren die schiitische Sekte:

Der Imam, der Führer und Lehrer, zudem direkter Vermittler zwischen Allah und der Gemeinde, durch göttliche Einwirkung vor Sündhaftigkeit und Irrtümern bewahrt. Nach schiitischer Auffassung ist es seine Bestimmung, die Tyrannen zu stürzen und einen gerechten Gottesstaat einzurichten. Einige Abspaltungen innerhalb der Schia setzten das verklärte Imamat der Wiederkehr des sogenannten Mahdi, eines apokalyptischen Messias, gleich, der die Endzeit verkünden und die Armen und Unterdrückten erlösen werde. Zum anderen der Dai, ein Propagandist, der die Botschaft des Imam verkündet, das unterdrückte Volk um diesen sammelt und die Bewegung organisiert. Gründung Die Rolle des Imams und dessen direkte Abstammung von Mohammed erlangten für die Schiiten immer größere Bedeutung. Als Ismail nach dem Tod seines Vaters, des 6. Imams, enterbt wurde, spalteten sich um 770 dessen Anhänger von den Schiiten ab und nannten sich fortan Ismailiten. Ihr radikalster Teil wurden die Assassinen.

Allmählich entstand so eine Sekte, die sich durch strenge Organisation und starken inneren Zusammenhalt ausgezeichnet hatte. Geistiger Führer dieser Gemeinschaft war der Imam. Die Ismailiten arbeiteten im Verborgenen, und sahen neben der wörtlichen Botschaft des Koran eine tiefere, verborgene Botschaft, die durch Gelehrte den einfachen Menschen offenbart werden sollte. So entstand gerade in den Anfängen der Glaubensgemeinschaft eine scholastische Verbindung von griechischer Philosophie und islamischer Mystik (Sufismus).

Zudem verbreiteten sich in ihr mit der Zeit einige charidschitische Elemente. Ein Großteil der Bewegung hielt jeden moralisch und religiös tadellosen Gläubigen, gleich welchen Standes, selbst einen Sklaven, für berechtigt, das Amt des Imams auszuüben. Sie glaubten, dass dieser demokratisch von allen Gläubigen bestimmt werden sollte. So rekrutierte sich die Sekte zum einen aus den gebildeten Schichten, zum anderen aus den städtischen Handwerkern und Arbeitern.

Je schwächer das Kalifat wurde, desto mehr erstarkten die Ismailiten. Dies führte schließlich zu der Entstehung eines ismailitischen Reiches in Nordafrika im 10. Jahrhundert, dem Fatimidenreich. Es hielt sich knapp 200 Jahre, bis 1171. Bereits um 1100 war der Kalif ohnehin nur noch eine Marionette der jeweiligen despotischen Herrscher geworden.

Die Ismailiten in Persien Im ausgehenden 11. Jahrhundert begann Hasan-i Sabbah (* ca. 1034 in Qum, Persien; † 1124), ein herausragender Propagandist (da'i) in Nordpersien zu missionieren. Er reiste 1081 nach Isfahan und in die Hochgebirgsregion Dailam. Dort fielen seine religiösen Ansichten auf fruchtbaren Boden. Er konnte eine Vielzahl von Anhängern gewinnen und ein eigenes Territorium mit mehreren Burgen unter seine Herrschaft bringen. Die Burg Alamut wurde zu seinem Hauptsitz. Er geriet in Konflikt mit den seldschukischen Herrschern, 1092 wurde eine erste Militärexpedition gegen die Ismailiten in Bewegung gesetzt. Aus diesem Jahr ist der erste politische Mord durch die Ismailiten überliefert. Ein Fida'i (Geweihter) erdolchte am 17. Oktober den seldschukischen Wesir Nizam al-Mulk.

Die Herrschaft der Ismailiten in Persien wurde 1256 durch die Mongolen beendet. Hülägü Khan, ein Enkel von Dschingis Khan, verhandelte zunächst noch mit dem Oberhaupt der Sekte Rukn ad-Din Hursah, um seine Kräfte nicht bei der Belagerung der Assassinenburgen zu verschleißen. Die Burgen, unter anderen die Hauptburg Alamut wurden genommen und zerstört. Dabei verbrannte die umfangreiche Bibliothek mit naturwissenschaftlichen Schriften. Der Sekretär des Khans konnte jedoch drei Bücher mitnehmen, darunter die Biografie Hassan-i-Sabbahs, die er seinem Bericht über die Eroberungen des Khans anfügte. Aus diesen Quellen und den daraus resultierenden Erzählungen könnte Marco Polos Bericht über die Assassinen stammen.

Unter dem Vorwand, die wehrhaften Männer zu erfassen, ließ der mongolische Statthalter die Assassinen zusammenkommen und angeblich sehr viele von ihnen ermorden.

Die Assassinen in Syrien Um 1100 begann von Persien aus die Missionierung Nordsyriens, wo ismailitische Sekten bereits gut etabliert waren. Die staatliche Zersplitterung und der Schock der Eroberung durch die Kreuzritter machten die Menschen empfänglich für eine messianische Ideologie. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang es den Ismailiten, einige Burgen zu kaufen oder sich anzueignen, so dass sie im Gebirgszug des Dschebel Aansariye ein eigenes Herrschaftsgebiet aufbauen konnten. 1140 konnten die Assassinen ihren Hauptsitz, die Burg Masyaf, erobern.

Um 1150 wurde der berühmteste Assassine, der so genannte „Alte vom Berge“ Raschid al-Din (1133–1193), Machthaber in Masyaf. Er konnte durch eine erfolgreiche Schaukelpolitik zwischen Saladin und Kreuzfahrern die Stellung der Assassinen in Syrien weiter konsolidieren.

Um 1230 hatten die Assassinen als territoriale Herrscher allgemeine gesellschaftliche Anerkennung erreicht. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sie offiziell Tribut an den Johanniterorden zahlten.

Die Machtübernahme durch den Mamlukensultan Baibars in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts änderte die Verhältnisse. Baibars wollte keine unabhängige Sekte, die sich eventuell gegen ihn wenden könnte, in seinem Reich dulden. Schon 1260 setzte er einen seiner Generäle als Lehnsherrn des Assassinengebietes ein. 1271 war seine Herrschaft so gefestigt, dass die Assassinenführer ihre Burgen übergeben mussten und gezwungen werden konnten, in Zukunft an Baibars Hof zu leben. Damit war die Assassinenherrschaft de facto beendet.


Literatur

  • Daftary, Farhad (1995) The Assassin Legends: Myths of the Ismailis. London. ISBN 1-85043-950-8
  • Lewis, Bernard (2001) Die Assassinen. Eichborn Verlag, Frankfurt a. M. ISBN 3-8218-4727-1

Weblinks

  • Assassinen in: dtWikipedia [[1]]
  • Hashashins in: enWikipedia [[2]]
  • Ordem dos Assassinos in: pt.Wikipedia [[3]]
  • Dieser Beitrag ist vorläufig noch eine gekürzte Übernahme aus der dt.Wikipedia.