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It's time to stop talking about reforming prisons and to start working for their complete abolition. - Prison Research Project, The Price of Punishment: 57.

Es ist an der Zeit, mit dem Reformgerede über Gefängnisse aufzuhören und stattdessen endlich mit der Arbeit an ihrer vollständigen Abschaffung zu beginnen.

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze - Lukas 4: 18 (Jesaja 61:1)

Im Jahre 1870 sprach sich auf der Tagung der American Prison Association ein Richter Carter aus Ohio für die völlige Abschaffung der Gefängnisse aus. Laut Tagungsprotokoll zeigte er sich überzeugt, dass es dazu eines Tages noch dazu kommen würde. Jedes System der Einsperrung oder Bestrafung sei eine Degradierung und könne Menschen nicht bessern. er würde alle Gefngnismauern abschaffen und alle, die zwischen solchen Mauern eingesperrt seien, entlassen.

1902 erklärte Clarence Darrow in einer Ansprache an die Gefangenen im Cook County Jail in Chicago, Illinois:

"Es sollte keine Gefängnisse geben; und wären die Menschen außerhalb der Mauern nicht so herzlos gegenüber denen hinter den Mauern, dann würde es eine derartige Institution auch nicht geben. Der einzige Weg auf der Welt, um Verbrechen und Verbrecher abzuschaffen, besteht darin, die großen und die kleinen zusammen abzuschaffen. Schafft faire Lebensverhältnisse. Gebt den Menschen eine Chance zu leben. ... Niemand würde stehlen, wenn er irgend etwas, was ihm gehört, einfacher bekommen könnte. Niemand wird in Wohnungen einbrechen, wenn er sein eigenes Haus voll hat. Der einzige Weg, um die heutigen Missstände zu überwinden, ist die Gelichheit. Es sollte keine Gefängnisse geben. Sie erreichen nicht, was sie zu wollen vorgeben. Wenn man sie ausmerzte, gäbe s nicht mehr Verbrecher als heute. Sie terrorisieren niemanden. Sie sind ein Schandfleck jeder Zivilisation, und ein Gefängnis ist ein Beweis für den Mangel an Wohlanständigkeit der Menschen in Freiheit, die Gefängnisse errichten und sie mit den Opfern ihrer Habgier füllen.

1914 erklärte der Schriftsteller und Journalist Julian Hawthorne im Vorwort zu seinem Buch The Subterranean Brotherhood (New York, McBride, Nast: xii-xiv)- dt.: Der große Bankendiebstahl - dass sein Buch auf einen Vorschlag hinauslaufe, der von der breiten Öffentlichkeit wahrscheinlich als absurd und unmöglich abgetan werden würde: nämlich auf die Abschaffung der Strafhaft als Institution: "Und dennoch ist meiner Meinung nach nichts sicherer, als dass die Gefängnisstrafe als Reaktion auf Verbrechen aufhören wird zu existieren - und wenn sie nicht durch ein Gesetz abgeschafft werden sollte, dann durch Gewalt."

1938 schrieb Frank Tannenbaum (Crime and the Community, New York: Ginn): "Wir müssen das Gefängnis mit Stumpf und Stiel vernichten. Das wird unser Problem nicht lösen, aber es wird ein guter Anfang sein ... Lasst uns irgendetwas an seine Stelle setzen. Fast alles wäre eine Verbesserung. Es kann nicht schlechter sein. Es kann nicht brutaler und sinnloser sein."

1954 schrieb der Diplomat und Journalist John Barlow Martin in Break Down the Walls - einem Bericht über eine Gefängnisrevolte im State Prison of Southern Michigan in Jackson im Jahre 1952 - (New York, Ballantine, 266): "Gefängnisse haben als Abschreckung vor Straftaten versagt. Sie haben als Mittel der Resozialisierung versagt. Was sollen wir also tun? Seien wir ehrlich: Gefängnisse sollten abgeschafft werden. - Das Gefängnis kann man nicht reformieren. Es beruht auf falschen Voraussetzungen. Nichts kann es verbessern. Es wird niemals irgend etwas anderes sein als ein Friedhof guter Absichten. Das Gefängnis ist nicht nur der Feind des Gefangenen. Es ist der Feind der Gesellschaft. - Dieser Behemoth, dieser Monster-Irrtum, hat alles zunichte gemacht, was dort an guter Arbeit verrichtet wurde. Es muss beseitigt werden."

1955 schrieb der ehemalige Leiter der psychiatrischen Abteilung des Zuchthauses Sing Sing, Ralph Banay, im New York Times Magazine (30.1.):

Das Gefängnis, wie es jetzt toleriert wird, ist eine konstante Bedrohung von jedermanns Sicherheit. Ein anachronistisches Relikt mittelalterlicher Vorstellungen von Verbrechen und Strafe. Es ist nicht nur kein Mittel gegen Kriminalität. Es perpetuiert und multipliziert sie. Wir geben vor, uns für unsere Sicherheit auf das Gefängnis zu verlassen; und doch ist es direkt verantwortlich für viel von dem Schaden, den die Gesellschaft durch die Hand von Straftätern erleidet. Auf der Basis meiner eigenen Erfahrung bin ich überzeugt, dass Gefängnisse abgeschafft werden müssen.

1970 schrieb der ehemalige Gefangene Gunnar Knutson in seinem Buch Behind Bars (Chicago, Cadre, Dec.):

An anderen Stelle ist bereits gezeigt worden, dass Gefängnisse keine wirkliche Sicherheit für die Gesellschaft bieten - und auch keine Besserung der Gefangenen. Die meisten Menschen wissen das zumindest insofern, als sie zustimmen würden, dass Kriminalität im Allgemeinen durch gesellschaftliche Faktoren bedingt ist und langfristig nur durch Veränderungen in den Verhältnissen beeinflusst werden kann. Warum der logische nächste Schritt - die Abschaffung des Gefängnissystems - nicht vollzogen wird, scheint wie in anderen Fällen auch in diesem letztlich damit zu tun zu haben, dass es einfacher ist, auf ein entferntes und unpersönliches System zurückzugreifen, das bereits existiert, als zu versuchen, neue Alternativen zu schaffen.

In The Problem of Prisons schrieb David S. Greenberg:

Eines der schwierigsten und am stärksten vernachlässigten unserer sozialen Probleme ist das Problem der Gefängnisse - ein Problem, das durch eine drastische Reform vielleicht entschärft werden kann, das aber nur gelöst werden kann durch die Abschaffung der Institution des Gefängnisses selbst.

Die Eliminierung der Strafhaft mag zunächst wie ein radikaler Schritt aussehen, aber Alternativen sind bereits weit verbreitet - Geldstrafen und Bewährungsstrafen werden viel genutzt, und Verkehrsdelikte resultieren manchmal in der Pflicht zu Übungsstunden. Sich für die Abschaffung der Gefängnisse auszusprechen beinhaltet einfach, dass andere Reaktionsweisen auf Straftaten, einschließlich, manchmal, gar nichts zu tun, der Einsperrung vorzuziehen sind.

1971 schrieb der Gefangene John Cluchette (in : Angela Davis, If they come in the morning, n.y. signet):

Das heutige Gefängnissystem sollte abgeschafft werden, weil es ein System ist, das dazu konzipiert und konstruiert wurde, um die Menschen unentwickelter und schwacher ökonomischer Gemeinschaften einzulagern, zehntausend von Leuten zu verhaften und einzusperren - alles wird fruchtlos sein. Das wird weder die Armut, noch die Unterdrückung noch die sonstigen Missstände dieser ungerechten Gesellschaftsordnung beenden ... Wir brauchen Menschen, die aufstehen und ihre Stimme erheben, wenn es um Fragen von Richtig und Falsch, von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit geht, vom Kämpfen oder Nichtkämpfen, um zu helfen, Bedingungen zu verbessern und zu entfernen, die das Volk betreffen - alles, was ich will, ist, dass Menschen uns unterstützen, ich jedenfalls werde bis zum Ende helfen, Frieden und Gerechtigkeit auf as Antlitz dieser Erde zu bringen. Ich habe zuviel Ungerechtigkeit gesehen, um stumm oder ruhig zu bleiben. Der Kampf gegen Ungerechtigkeit kann auch durch Gefängnismauern nicht gedämpft werden.

1971 in "The Shame of the Prisons", Time, January:

Als 23 Richter aus den gesamten USA nach einer einzigen Nacht wieder aus dem Nevada State Prison in die Freiheit kamen, zeigten sie sich "abgestoßen von der Homosexualität" und erschüttert von der "Seelen-zertrümmernden Bitterkeit" und bestürzt über "Männer, die tobten, schrieben und gegen die Wände hämmerten". Richter E. Newton Vickers aus Kansas fasste zusammen: "Ich fühlte mich wie ein Tier in einem Käfig. Zehnt Jahre darin müssen wie 100 oder vielleicht 200 sein." Vickers drängte die Regierung von Nevada, "zwei Bulldozer da hinzuschicken und dieses verdammte Ding abzureißen."

1972 erklärte Emanuel Margolis als Herausgeber des Connecticut Bar Journal (Vol. 463):

Es ist Zeit, damit zu beginnen, das Gefängnissystem abzubauen - Schlösser, Riegel und Gitterstäbe. Es lässt sich nicht mehr renovieren. Das einzige MIttel, es zu bewahren, ist es vollständig - oder jedenfalls fast vollständig - zu zerstören.

Keine objektive Überprüfung des Gefängnissystems kann die Schlussfolgerung vermeiden, dass es primitiv, zwingend und entmenschlichend ist. Keine rationale, geschweige denn wissenschaftliche, Würdigung von Behandlungs- oder Rehabilitations-Programmen innerhalb des Gefängnis-Settings wird sie anders als eine einzige Heuchelei einschätzen können. Die besten Anstrengungen von Strafvollzugspersonal sind zu Frustration und Versagen verdammt, ob man das nun nach Rückfallraten oder irgend einem anderen vernünftigen Standard von "Fortschritt" bemisst.

1972 erklärte der Budnesrichter James Doyle aus Wisconsin in Morales v. Schmidt 340 Fed Suppl. W.D. Wis. 1972, 544, 548-49:

Ich bin überzeugt, dass die Institution des Gefängnisses an ihr Ende kommen muss. In vielerlei Hinsicht ist sie ebenso unerträglich innerhalb der USA wie einst die Institution der Sklaverei, ebenso brutalisierend für alle Beteiligten, ähnlich vergiftend für das Gesellschaftssystem, ähnlich das Gemeinschaftsgefühl der Menschen untergrabend - und nach manchen Kriterien sogar noch teurer und wahrscheinlich weniger rational.

1972 schrieb Arthur Waskow vom Institute for Policy Studies im Saturday Review (8. Januar):

Vergessen wir Reformen; es ist Zeit, über die Abschaffung der Gefängnisse in der amerikanischen Gesellschaft zu sprechen. Es gibt ein reales, aber noch zögerliches Unbehagen, das im Grunde weiß, dass es so nicht weitergehen kann, aber dennoch zögert. Abschaffen? Was machst Du dann mit den Gefangenen, mit den Kriminellen, den wirklich Gefährlichen? Worin besteht denn die Alternative zum Gefängnis?

Dazu ist erstens zu sagen: überhaupt keine Alternative würde immerhin weniger Kriminalität erzeugen als das jetzige System der kriminellen Lehranstalten. Zweitens: die einzige vollständige Alternative ist die Errichtung einer Gesellschaft, die keine Gefängnisse nötig hat. Eine anständige Umverteilung von Macht und Einkommen, um die versteckte Flamme des Neids zu ersticken, die heute in Eigentums- und Vermögensdelikten aufflackert. .. Und ein anständiger Gemeinschaftssinn, der diejenigen, die plötzlich aus Wut oder Verzweiflung zu Tätern werden, unterstützen, reintegrieren und wirklich rehabilitieren kann und der sie nicht als Objekte- "Kriminelle" - sondern als Leute behandelt, die illegale Handlungen begangen haben. So wie fast alle von uns allen.

1974 erklärte James W. Clothey, Jr., vom Vermont Prisoner Solidarity Committee in den NEPA News vom Januar:

Gefängnisreform interessiert und beschäftigt mich jetzt nicht mehr. Noch interessiert oder beschäftigt mich, das Leben innerhalb der Gefängnisse erträglicher zu machen oder die Rechte derjenigen zu schützen, die hinter den Mauern sind. Ich bin nur an der Beseitigung von Gefängnissen interessiert.

Wenn das nach der Einstellung eines "rigiden", "bitteren", "unverbesserlichen" Radikalen klingt, dann ist das weniger mein Verdienst als das jener, die Nacht für Nacht die Tür meiner Zelle verriegeln.

1976 forderte John Boone als ehemaliger Chef des Strafvollzugs in Massachusetts (Fortune News, May):

Für uns gilt es jetzt eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Abschaffung möglich ist. Das wird eine starke Allianz zwischen jenen Gruppen, Individuen und Organisationen erfordern, die verstehen, dass das nicht von einem Tag auf den anderen geschehen wird. Genau wie die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei sich über Jahrzehnte hinzog, so müssen auch wir auf einen langen Kampf vorbereitet sein. Aber wir müssen anfangen, wir müssen die Feuer anfachen, wir müssen die Allianzen schmieden, die uns den Sieg bringen werden.


Eine Resolution des Ex-Con Caucus in New Hampshire - NEPA NEWS April/May 1975:

Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, in der der Wert und die Bewahrung der Würde aller Menschen die oberste Priorität ist. Gefängnisse sind eines der größten Hindernisse bei der Verwirklichung einer solchen Gesellschaft. NEPA steht für die Abschaffung von Gefängnissen mit allen erdenklichen Mitteln.

1975 erklärte Richter Bruce McM. Wright in einer Ansprache an Gefangene im Green Haven Gefängnis, New York, am 17. August:

Jahrelang habe ich die Gefängnisse in Amerika angeprangert und verdammt. Ich habe immer gesagt, dass das Gefängnissystem, wie es heute in Amerika existiert, abgeschafft werden sollte. Ich bin inzwischen älter geworden und sehe immer noch keine Veranlassung, meine Ansicht zu ändern.

Struggle for Justice, p. 23:

Wenn die Wahl nur zwischen den heutigen Gefängnissen und überhaupt keinen Gefängnissen bestünde, dann würden wir ohne Zögern die letztere Option wählen. Wir sind überzeugt, dass es weitaus besser wäre, jetzt alle Gefängnisse niederzureißen, als die Inhumanität und den Horror hinter den Gefängnismauern im Namen der Gesellschaft auch nur einen Tag fortzusetzen. Gefängnisse, so wie sie heute sind, sind mehr eine Last und eine Beschämung unserer Gesellschaft als ein Schutz oder eine Lösung des Problems der Kriminalität.